HowTo: Indivision AGA MKII Konfiguration

HowTo: Indivision AGA MKII

Dieser Beitrag wurde freundlich von Cego aus dem a1k.org Forum für www.amiga68k.de zur Verfügung gestellt 🙂 Den Link zum Original Beitrag findet ihr unter dem Tutorial.

So Leute, oft versprochen – nun wird es wahr. Hier ist mein HowTo zum Indivision AGA MKII – wie es funktioniert, wie ihr es richtig konfiguriert und worauf ihr achten müsst.

Ich möchte erstmal einige allgemeine Dinge zu dem Teil sagen.
Der Indivision AGA MKII wurde mit dem Hintergrund entwickelt unsere Amiga Geräte an modernen Monitoren betreiben zu können. Diese haben standardmäßig einen DVI oder HDMI Anschluss, was gleichbedeutend damit ist, dass diese nur noch digitale Daten verarbeiten. Manchmal haben Monitore auch einen VGA Anschluss welches analog arbeitet, jedoch macht dass beim Indi AGA eigentlich keinen großen Sinn. Warum? Der Amiga selbst gibt ein analoges Signal aus. Mit dem Indivision würden wir das erst einmal digitalisieren und dann wieder in ein analoges Signal zurückwandeln, um es an den Monitor zu senden. Die Qualität des Bildes ist dementsprechend bescheiden.

Der Amiga hat in seiner Standardauflösung PAL eine vertikale Frequenz von 15Khz und eine horizontale Frequenz von 50Hz.
Das kann so gut wie kein moderner Monitor darstellen – zumindest laut den angegebenen Spezifikationen. Das es manche dennoch können ist pure Glückssache und so nie vorgesehen gewesen. Hier kommt nun der Indi AGA MKII ins Spiel.
Er erhöht die horizontale und vertikale Frequenz variabel auf einen Wert mit dem moderne Bildschirme umgehen können (i.d.R. 60Hz und Auflösungen >640×480)

1. Grundlegende Funktionsweise

Der Indivision AGA arbeitet in zwei getrennten Schritten. Input und Output werden getrennt voneinander verarbeitet, d.h. dass Signal welches der Indivision vom LISA Chip abgreift und jenes welches er an den Monitor sendet, werden intern unabhängig voneinander konfiguriert. Im Voreinsteller sind diese beiden Aspekte mit „Amiga Mode“ und „VGA Mode“ gekennzeichnet.

Amiga Mode: Hiermit sind alle bekannten Amiga Auflösungen gemeint, wie es die Amiga Monitortreiber hergeben. PAL, Multiscan, Euro72, etc.

VGA Mode: Hiermit ist die reale Auflösung gemeint, die der Indivision an den Monitor „weitergibt“. Was ihr hier einstellt wird auch am Monitor ausgegeben.

Die Kunst beim Indivision AGA MKII besteht nun darin Amiga Mode und VGA Mode perfekt aufeinander abzustimmen, möglichst pixelgenau und im richtigen Seitenverhältnis. Wichtig dabei ist auch, dass der Monitor ebenfalls genau geeignet ist für den VGA Mode.

Hier mal ein Bild zur Veranschaulichung (100% made on Amiga!) 

2. Monitorwahl

Worauf muss man also achten beim Kauf eines Monitors?
Auch wenn der Indi für so ziemlich jeden Monitor ein kompatibles Signal ausgeben kann, gibt es dennoch Kriterien die man beachten sollte, wenn man ein perfektes Bild haben möchte – sprich Fullscreen ohne Mikroruckler.
So sollte man darauf achten, dass der Monitor eine Auflösung beherrscht die den nativen Amiga PAL Mode im entsprecheden Seitenverhältnis, in der Bildwiederholrate und in den Pixeldimensionen darstellen kann.
Der wichtigste Bildschirmmodus des Amiga ist PAL und PAL Interlace. 

Die Frequenzen und Auflösungen sind:

PAL: 320×256 / 640×256
PAL Interlace: 320×512 / 640×512
Frequenzen: 50Hz / 15KHz
Seitenverhältnis: 5:4

Unser Monitor sollte also 640×512 nativ im Fullscreen anzeigen können und das möglichst bei 50Hz (wenn man keine Mikroruckler will, ansonsten eben 60Hz)
Wenn euer Monitor nur 640×480 oder 800×600 darstellen kann, werdet ihr unweigerlich bei PAL entweder einen schwarzen Rahmen oder ein abgeschnittenes Bild haben.
Ebenso verhält es sich mit Breitbildmonitoren mit Seitenverhältnissen von z.B. 16:9 oder 16:10. Diese Monitore neigen dazu Auflösungen mit anderen Seitenverhältnissen in das eigene zu skalieren. Das führt in unserem Fall dazu, dass das Amiga Bild gestreckt wird. Manche Monitore haben jedoch die Funktion, den Scaler zu deaktiveren und das Seitenverhältnis des Videosignals zu berücksichtigen. Dann habt ihr allerdings schwarze dicke Balken rechts und links vom Bild. Nehmt also am besten wie gesagt einen Monitor mit einem nativen Seitenverhältnis von 5:4. Damit ist dann ein pixelgenaues Bild möglich.

3. PAL Einstellungen

Um ein perfektes Bild zu haben müssen wir nun folgende Einstellungen vornehmen.
Wir öffnen unseren Indivision Einsteller und gehen unter Rechtsklick -> Config -> VGA Modes und wählen dort den ersten Eintrag 640×480 60Hz. Anschliessend klicken wir auf „Copy“ und passen die Werte im rechten Bereich an. Hier tragen wir für Pixels/Line 640 ein und für Lines 512. Dann den Wert in der Clockliste so wählen, dass ihr auf möglichst 50.000 Hz kommt. Anschliessend ändern wir noch den Namen des Modes um in „PAL 640×512“.
Ich hänge meine Einstellungen hier an.

Wir klicken auf Apply und landen wieder auf dem Haupteinstellerfenster. Wenn wir in der VGA Mode Liste nun ganz nach unten scrollen sollten wir dort unseren neu angelegten VGA Mode sehen.
Wir wählen zunächst in der Amiga Mode Liste den Eintrag „PAL“. Anschließend weisen wir diesem den kürzlich erstellten VGA Modus zu.
Ihr könnt nun auf „Test“ klicken und schauen wie euer Bild aussieht. Wenn ihr überhaupt kein Bild bekommt und der Monitor in den Standby geht, dann kann euer Monitor entweder nicht mit der Auflösung umgehen oder mit der Bildwiederholfrequenz oder beides. In dem Fall müsst ihr dann Kompromisse eingehen und einen VGA Mode wählen, den der Monitor dann anzeigen kann. Dadurch aber bekommt ihr den PAL Mode nicht mehr im Fullscreen angezeigt (=> schwarzer Rahmen) und habt eventuell starke Ruckler (=> 60Hz)
Wenn ihr jedoch ein Bild bekommt kann es passieren, dass euer es nur den halben Bildschirm füllt.
Dazu müssen wir kurz auf den Einsteller „Double“ eingehen.

Der angezeigte Testscreen ist hierbei der PAL Modus mit der Auflösung 640×256 (PAL Hires), d.h. nun dass dass Signal was der Amiga an den Indivision gibt die selbe Pixelbreite in der horizontalen hat, wie der VGA Mode (beide 640), die vertikale Auflösung jedoch ist auf der Amiga Mode Seite nur halb so viel. Wir müssen also unserem Indivision mitteilen, dass er bevor er das Signal weiter an den Monitor gibt, die vertikale verdoppeln soll auf 512 Pixel (256 -> 512). Und genau dies macht man mit dem „Double“ Einsteller.
Der erste Button (Hires / SHires) verdoppelt dabei in der Breite und der zweite (Lines / Off) in der Höhe. Da die Breite passt müssen wir also nur in der Höhe verdoppelt. Also auf „Lines“ stellen. Wer Scanlines will kann hier auch einen prozentualen Wert nehmen.

Es kann nun gut sein, dass euer Bild dennoch nicht richtig angezeigt wird und verschoben erscheint. Hier müsst ihr dann mit den H-Offset und V-Offset Werten spielen. Das kann von Monitor zu Monitor unterschiedlich sein.

Wenn euer Testbild nun zentriert und im Fullscreen angezeigt wird könnt ihr auf Apply klicken. Eure Spiele werden nun alle im Fullscreen angezeigt. Beachtet aber bitte, dass manche Spiele auf dem Amiga trotz PAL LowRes (320×256) nicht die volle Höhe nutzen und oft nur auf 200 Pixel beschränkt sind. Der schwarze Balken in den unteren 56 Pixeln hat dann jedoch nichts mit dem Indivision zu tun. Diesen hatte man damals ebenfalls auf den Röhrenmonitoren.

Ihr könnt das Ganze nun analog für den PAL Interlace Amiga Mode machen. Dazu müsst ihr aber keinen neuen VGA Mode erstellen. Einfach denselben VGA Mode (PAL 640×512) auswählen. Einziger unterschied ist hier, dass man bei Lines auf Off stellt. Hier müssen wir nichts verdoppeln, da der Amiga und VGA Mode pixelgenau aufeinander passen.

An dieser Stelle möchte ich nicht unerwähnt lassen, dass es sehr ratsam ist, dass ihr für die Amiga Modes PAL und PAL Interlace den selben VGA Mode auswählt. Andernfalls muss der Indivision und damit auch der Monitor zwischen zwei Auflösungen hin und her schalten. Dadurch bekommt ihr dann kurzzeitig einen schwarzen Bildschirm, was z.B. bei Spielen wie Slamtilt oder Demos, die on-the-fly zwischen PAL und PAL Interlace hin und herschalten sehr ärgerlich sein kann.

4. Overscan Problematik

Dennoch kommt es nun vor, dass manche Spiele am oberen Rand abgeschnitten sind und man einen Teil des Bildes nicht sieht. Das liegt daran, dass es Spiele gibt, die den Overscan Bereich des Amigas nutzen. Was heißt das?
Overscan ist der Bereich, der früher bei den Röhrenmonitor in der Regel vom Gehäuserahmen abgedeckt wurde und somit nicht sichtbar. Es gab allerdings Monitore und Bildschirme die dazu in der Lage waren diesen Bereich sichtbar zu machen oder automatisch erkannt haben. Die Amiga Monitore konnten das z.b. Dadurch konnte man die Auflösung von 640×512 auf 724×566 pushen.
Problem beim Indivision ist, dass dieser nicht umschalten kann zwischen Overscan und Non-Overscan. Dazu müsste er on-the-fly die Werte im VGA Mode ändern können. Kann er nicht. ihr müsst euch also von vornherein entscheiden was ihr wollt. 
Ich würde zur Standardauflösung ohne Overscan raten, da das die gängigere Auflösung ist. Außerdem würde eine Overscan kompatible Auflösung dazu führen, dass ihr in 99% der Spiele einen schwarzen Rahmen habt.

Ablösung würde hier ein interner Scaler bringen. Das ist jedoch Zukunftsmusik und ob das jemals für den MKII kommt ist auch nicht bekannt.

6. Wissenswertes

Der Indivision AGA MKII kann insgesamt 8 verschiedene VGA Modes gleichzeitig speichern. Wenn ihr also 9 Amiga Modes nutzt könnt ihr diesen insgesamt nur 8 verschiedene VGA Modes zuweisen. Eigentlich ist diese Info total überflüssig, da ich nicht wüsste, wofür man so viele verschiedene Amiga Modes bräuchte. Ein VGA Mode für PAL/PAL Interlace (Spiele/Demos) und einer für HighGFX (Workbench). Eventuell noch einen weiteren für NTSC.
Wollte das aber nicht unerwähnt lassen.

Link zum Thread von Cego auf a1k.org

https://www.a1k.org/forum/showthread.php?t=69763

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